Liebe Brüder,
der HERR, der uns geschaffen hat, weiß was wir brauchen. Er weiß, was ein Kleinkind braucht, wie auch ein Jugendlicher, ein Erwachsener und ein Sterbender.
Jesus sagt in Matth. 6, 8: „Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“
Im Anschluss an diesen Vers schenkte Jesus seinen Jüngern das Vaterunser als tägliches Gebet. Viele Menschen vor allem in den Ostkirchen kennen das Herzens- oder Jesusgebet. Es hat den ganz kurzen Text: Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner. Dieses Gebet wird vielfach und wiederholt gebetet. Der Beter formuliert dabei nicht andauernd neue Bitten, schöne Worte, druckreifen Lobpreis, sondern er begibt sich einfach in die Nähe Jesu. Er sucht Nähe und Verbundenheit, auch wenn ihm keine Worte einfallen, weil er das Unsagbare gar nicht aussprechen kann in seiner Not und Angst, oder weil er zu schwach und zu angefochten ist. Der blinde Bettler Bartimäus vor den Stadttoren von Jericho, hat diesen Stoßseufzer auch laut ausgerufen. Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner. Auch wir dürfen mit diesem Gebet des Herzens bei Jesus anrufen, beim Einschlafen, oder wenn ich in der Nacht wach liege, bei schweren Gesprächen, in Angst, bei unvorhersehbaren Ereignissen, im Wartezimmer, vor roten Ampeln, überall und immer wieder. Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner. Ganz leicht lässt sich daraus eine Fürbitte formulieren. Erbarme dich über meine Freunde, die Not der Flüchtlinge, unsere Missionare, den Ehepartner und die Kinder oder alles, was mein Herz bewegt.
Dabei begebe ich mich in die Hände Jesu. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. So hat Jesus selber am Kreuz gebetet. Ein einfaches, kurzes Gebet. Ein Gebet des Vertrauens und der Gewissheit, dass der Vater weiß, was wir brauchen, bevor wir ihn bitten. Es muss aber noch nicht einmal ein Gebet mit Worten sein. Wir können uns still in die Hände Gottes begeben, wie sich ein Kind in die Arme der Mutter schmiegt. Dann braucht es keine Worte, denn die Nähe zu Gott kann uns ganz erfüllen. Gerhard Tersteegen hat es mit diesen Worten ausgedrückt: „Gott ist gegenwärtig, alles in uns schweige und sich innig vor ihm beuge.“ So ist es möglich, dass wir uns innerlich auf Gott einlassen und uns mit ihm abstimmen.
Weil der Vater im Himmel unser Leben kennt, ist es gut zu wissen, dass ER weiß, was wir brauchen, bevor wir ihn darum bitten. Das gilt an jedem Tag!
Euer
Friedrich Schechinger
