Mai 2026

Liebe Brüder,

kennt ihr auch Situationen und Zeiten, wo Euch die Worte fürs Gebet fehlen, Euch Eure menschliche Begrenztheit und Ohnmacht schmerzlich bewusst wird?

Es sind gerade mal 2 Wochen her, als meine Frau und ich zusammen im 11. Kapitel des Johannes-Evangeliums über die Auferweckung des verstorbenen Lazarus durch Jesus gelesen und wie jeden Morgen gemeinsam, laut und mit Worten gebetet haben. Gerade mal 10 Minuten später läutete es an der Haustür, ich war gerade beim Zähneputzen, als ich unten im Tonfall zwischen unserer Nachbarin und meiner Frau erkannte, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Im nächsten Augenblick hörte ich schon wie mein Name gerufen wurde, ich solle schnell mit rüberkommen: Im Schlafzimmer unseres Nachbarhepaars angekommen, fanden wir ihren Mann reglos, wie schlafend, im Bett liegen. 

Der telefonisch verständigte Notarzt verlangte bis zu seinem Eintreffen Maßnahmen zur Wiederbelebung. Ich fühlte nach seinem Puls und wurde mir beim Erspüren seines eiskalten Körpers bewusst, dass es für menschliche oder medizinische Hilfe bereits zu spät war. Ich wollte laut beten, aber mir kamen keine Worte in den Sinn: Ich durfte die Erfahrung machen, welche Paulus im Brief an die Römer (8, 26) folgendermaßen beschreibt:

Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein, mit unaussprechlichem Seufzen 

Danach merkte ich, wie Jesus selbst mit am Bett stand und mich seine Liebe und Friede erfasste. Wenn wir gemeinsam Beten, auch für unsere Brüder und ihre Anliegen auf dem Missionsfeld, möchte ich mit dem Verstand und mit deutlichen Worten beten, dass meine Brüder das Amen dazu sagen können. Es kann aber auch Situationen geben, wo ich im Vertrauen, dass der Heilige Geist mich vor dem allmächtigen Gott im Gebet vertritt, in der Stille, ohne menschlich verständliche Worte, bete.

Euer Hans-Georg Mayer